Signieren

Wie signiert man ein Bild richtig? Links unten, rechts unten? In kleiner oder großer Schrift? In Versalien? Reichen Initialen aus oder soll es ein Monogramm sein? Soll die Signatur überhaupt auf der Bildoberfläche erscheinen – oder befremdet sie das Werk nicht vielmehr? Vielleicht doch besser nur auf der Rückseite? Und ist es überhaupt noch zeitgemäß, zu signieren?

Diese Fragen sind beileibe nicht neu. Sie beschäftigen nicht nur Kunstwissenschaftler bei der Klärung von Provenienz und Urheberschaft, sondern bewegen selbstverständlich auch den Künstler selbst, der sich als Vater seiner Werke versteht. Um die Frage nach dem richtigen Signum zu beantworten, gilt für mich: hört auf das Werk! Es teilt sich euch mit.

In diesem Bewußtsein versuchte ich bereits zu Beginn meines Studiums, eine Signiersprache zu entwickeln, die zwar omniexistent ist, sich jedoch nicht aufmerksamkeitsheischend verselbständigt. Daher nutzte ich von Anfang an textuelle Bildfragmente, die geradezu dazu prädestiniert sind, den erwartbaren Text gegen meinen Namen einzutauschen. Diese Fragmente warten darüber hinaus mitunter mit sämtlichen Metadaten zum Werk auf.

Im Laufe der Zeit oblag es dann den unterschiedlichen Malweisen selbst, mir zu diktieren, wie sie von meiner Autorschaft in Kenntnis gesetzt werden wollten. So wählte ich im Bereich der klassischen Malerei eine Kurrent. Da mich seit jeher die russische realistische Malerei – namentlich die der Wanderer-Bewegung (ruß. Peredvižniki) – begeisterte, lag es nahe, auch eine kyrillische Unterschrift zu etablieren.

Es existieren Werke, in denen ich meinen Nachnamen schlicht kyrillisiert habe, was sich als Фридрихъ (wissenschaftl. Fridrichʺ) manifestierte. Da dies weder besonders ostslawisch noch ästhetisch wirkte – ungeachtet meiner Versuche, diese dem Schreibstile Repins nächstmöglich anzugleichen –, entschied ich mich schließlich für eine Übersetzung meines Namens in eine slawische Varietät. Da mein Name sprechend ist, fiel dies nicht schwer: Friedrich = althochdeutsch frid („Frieden“, „Schutz“) + rîhhi („mächtig“, „Herrscher“, „Reich“). Diese Bestandteile lassen sich problemlos lehnübersetzen.

Die erste daraus entstandene Variante war Миробагачук (wissenschaftl. Myrobahačuk), zusammengesetzt aus urslawisch mirъ („Frieden“) und ukrainisch bahat- („reich“), wobei die Endung -uk die Ukrainizität des Namens betont. Für die russische Prägung Миробогатовъ (wissenschaftl. Mirobogatovʺ) verhält sich die Etymologie ähnlich; hier wird lediglich die Endung gegen das russische -ov ausgetauscht. Beide Signaturen finden sich entsprechend thematisch motiviert und geographisch differenziert in meinen ukrainischen und russischen Bildwelten. Dort, wo sich der Sprachraum ins Polnische öffnet, läßt sich aufgrund der urslawischen Gemeinsamkeiten spielerisch auch eine polnische Varietät als Mirobogaczyk entwickeln – wobei den Endungen -czyk/-čuk, ebenso wie im Ukrainischen, eine patronymische wie auch diminutive Bedeutung zukommt.

Gewisse Sujets legen es hingegen nahe, ebenso ein tschechisches Äquivalent zu erarbeiten, was sich aufgrund der Namensverwandschaft zu Smetana anders lösen ließ: in diesem speziellen Falle konnte ich mich einfach seines böhmisierten Vornamens Bedřich bedienen. Und bewege ich mich schließlich in einem mir fremden Sprachraum, vertraue ich auf die Transkription – also die lautliche Entsprechung meines Namens im jeweiligen Schriftsystem –, was die chinesischen Unterschriften erklärt. Und wenn all diese Elaborationen immer noch nicht dem Rufe des Werkes gebührend nachkommen, bediene ich mich meines Monogramms – der crux Friderici –, das sich aus meinen Initialen sowie der augenzwinkernden Apposition Rex, auf die 1712 ebenfalls referiert, zusammensetzt.